Tini on Tour - abgeschleppt in Österreich

Da bin ich einmal ohne meinen Wachhund unterwegs und dann das...

 

Es ist irgendein Freitag, auf irgendeiner Autobahn in Österreich, fast 500 km von zu Hause entfernt. Im Radio versüßen mir österreichische Rocker meine Fahrt durch die idyllische Berglandschaft der Steiermark - da warnt mich plötzlich ein gelbes Lichtlein vor einem Druckverlust im rechten Hinterreifen. „Ok, muss ich zu Hause nachmessen.“, denke ich so bei mir und – zack! - bricht das Lenkrad aus und mein kleines Auto übertönt mit einem herzzerreißenden Brummen sogar den lauten Bass vom Radio.

Tini's Pannentipps:

  • Warnblinklicht anschalten, sobald die Panne bemerkt wurde
  • Parkplatz, Haltebucht etc. ansteuern
  • Räder per Lenkrad nacht rechts stellen
  • Warnweste anziehen, Hund anleinen
  • über Beifahrerseite aussteigen
  • Notruf absetzen
  • Unfallstelle absichern
  • hinter Leitplanke etc. warten
  • ruhig bleiben! Näschen pudern und auf tolle Hilfe warten

 

Ich schaue, dass ich sofort auf die rechte Spur komme und lasse mich kurz weiterrollen. Vielleicht ist es weg, wenn ich nur 80 km/h fahre? Das Letzte, was ich jetzt brauche ist eine Panne! Ich will einfach nur nach Hause... aber als ich das große Tunnel vor mir sehe, nutze ich diese letzte Chance auf einen Seitenstreifen, um nachzusehen, was passiert ist. Ein Platten! Na prima! Was soll ich denn jetzt tun?

 

Leichte Panik steigt auf und ich rufe als erstes meinen besten Freund an. Doch statt beruhigendem Zuspruch natürlich nur: „Ich hab Dir doch schon hundert Mal gesagt, geh zum ADAC!“ - typisch Mann! „Warum zusätzlich noch ADAC, wenn ich doch schon bei der R&V versichert bin?“ war immer meine Gegenfrage – jetzt bot sich die Gelegenheit es herauszufinden! Zum Glück habe ich die kleine Versicherungskarte brav im Handschuhfach und ich rufe meinen Versicherungsberater an. 

 

Was für ein Mann! Er will mich sofort abschleppen (dummerweise liefern sie nämlich keine Ersatzreifen). „Wo stehen sie genau?“ Ja, das ist eine gute Frage! Weder über das Navi noch über google Maps konnte ich in der Hektik meinen genauen Standpunkt herausfinden! Ich war wirklich etwas verloren und natürlich hält mein Akku auch nicht mehr lang.

Notrufsäule. Gehen sie bitte zur nächsten Notrufsäule.“ meint mein Versicherungsberater am Telefon. „Nein! So schlimm ist es nicht, ich habe doch nur einen Platten.“ 

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich fand meine Panne viel zu belanglos, um an dieses orangene SOS Telefon zu gehen. Typisch Frau? Selbst mit dem Kopf unterm Arm winken wir noch ab: „Ne ne, geht schon!“ Es geht aber eben nicht! Also Notrufknopf gedrückt und schon ertönt eine blechige Stimme: „Guten Tag, wie kann ich ihnen helfen?“

„Hallo! Wo bin ich denn?“ brülle ich in die Säule zurück, die vorbeirauschenden Autos machen eine Kommunikation nicht gerade leicht. 

„Was ist denn passiert?“

„Mein Versicherungsmann möchte mich abschleppen, aber wir wissen nicht, wo ich bin...“ versuche ich aufgebracht zu erklären – meinen Versicherungsberater immer noch am Handy dabei. Irgendwann hielt ich dann nur noch mein Handy an die Säule und die beiden Männer haben alles untereinander geklärt. Perfekt!   #lifeisbetterblond

 

Tatsächlich ist selbst in Zeiten von Handys das Praktische an Notrufsäulen, dass der Rettungsleitstelle sofort der punktgenaue Standort übermittelt wird (dieser steht übrigens auch als Zahlencode an der Säule), Funklöcher und leere Akkus kennen sie auch nicht. Ihr findet sie ca. alle zwei Kilometer, der Weg zur nächsten Säule wird durch kleine schwarze Pfeile an den Leitpfosten angezeigt.

 

Nun muss ich nur noch warten, bis mein Abschlepper kommt... Wobei, wie war das, mit Unfallstelle absichern

 

Die Warnweste habe ich natürlich ganz vergessen anzuziehen, aber unter uns: mein pinker Pulli war auffallend genug! Doch denkt bitte dran: man muss eigentlich so viele Warnwesten im Auto haben, wie es eingetragene Sitzplätze gibt.

Der Versuch, das windige Warndreieck sinnvoll auf der stark befahrenen Autobahn aufzustellen, scheiterte ebenfalls. Bevor ich noch andere Menschen damit gefährde, lasse ich es lieber weg. Zum Glück stand ich in einer großen, übersichtlichen Pannenbucht direkt vor der Tunneleinfahrt. 

Mädels, wenn ihr bei Eurer Panne nicht soviel Glück habt und nicht auf dem Seitenstreifen oder gar in einer unübersichtlichen Kurve zum Stehen kommt, zögert bitte nicht, auch die Polizei zu rufen! Sie kann die Unfallstelle absichern und ggfs. eine Spur sperren. Es geht um Eure Sicherheit!

 

Meine Sicherheit wurde sogar Videoüberwacht! Wusste ich natürlich nicht und staunte nicht schlecht, als kurz nach meiner Panne schon die Straßenkontrolle vorbei kam. Sie sahen mich über die Kamera direkt über meinem Auto und wollten nachfragen, ob sie mir helfen können. Sehr zuvorkommend, diese Österreicher! Tatsächlich wechseln sie auch Reifen! Hätten die modernen Autos heutzutage noch einen Reservereifen im Kofferraum... aber mit diesem kleinen Reparaturset konnten sie bei meinem kaputten Reifen nichts machen und so wartete ich weiter auf meinen Abschlepper. Während in großen Lettern „Pannenbucht belegt“ über mir leuchtet und die heranfahrenden Autos schon von Weitem vor mir warnt. 

 

Eine schnelle Heimfahrt nach ein paar schönen Tagen habe ich mir irgendwie anders vorgestellt...

… aber was habe ich auf meinen Reisen immer wieder gelernt 

 

„Erfreu Dich lieber schon am Weg, anstatt nur das Ziel herbeizusehnen“.

 

Sobald wir ein wenig offen sind für unser chaotisches Schicksal, bekommen wir doch die tollsten Erlebnisse!

 

 In meinem Fall war es nach gut einer Stunde „Pannenbucht mit Bergpanorama“ der beste Abschlepper aller Zeiten! Zugegeben, Johann Haissl schmunzelte anfangs schadenfroh, als er mich pinkes Blondchen mit dem platten Reifen vorfand. Doch wir hatten die Gaudi unseres Lebens!

 

Der KFZ-Meister wollte zwar, dass ich mich einfach in seinen LKW setze und ihn machen lasse, aber bitte? Bei meiner Abschleppung will ich schon tatkräftig mithelfen! Er merkte schnell, dass er gegen meinen bayersichen Sturkopf nicht ankam und gab nach: „Na dann hock di mol ins Auto und lenk wie ich's dir sog.“ So lenkte ich hochkonzentriet mit, als mein kleiner A3 auf den Abschleppwagen gezogen wurde – und dann durfte ich tatsächlich in meinem Auto sitzen bleiben, während er die 15 km in seine Werkstatt fuhr! Was für eine Gaudi! Wie der Oberchecker lehnte ich meinen Arm cool aus dem heruntergelassenen Fenster und die Brummifahrer staunten nicht schlecht, als ich so an ihnen vorbeifuhr und durch ihr Beifahrerfenster grinste! Wegen mir hätte die Fahrt noch stundenlang gehen können!

 

An seiner Werkstatt angekommen, wurde ich lachend von den Nachbarn begrüßt und man reichte mir auf den Schock erst einmal ein Beruhigungsbierchen! Der Reifen war zwar schnell gewechselt (mein guter Herr Versicherer hat nämlich extra einen Abschleppdienst mit Reifenwerkstatt für mich organisiert), aber die Stimmung mit den Einheimischen war so herzlich und vor allem lustig, dass wir noch über eine Stunde zusammen verbrachten! Es wurden Witze erzählt, mit der Harmonika gespielt und gesungen! Noch nie hatte ich mit Fremden eine so ausgelassene Stimmung – ich wollte gar nicht mehr heimgehen und am Ende versprach ich, mich in Österreich nie von einem anderen mehr abschleppen zu lassen! 

 

Der Ärger um den geplatzen Reifen und die Sorge, dass ich so spät heimkomme, waren vergessen! Im Gegenteil! Ich bin richtig dankbar für dieses schöne Erlebnis und diese tollen Männer, die ich dadurch kennengelernt habe. Die Erinnerung an diese Panne wird mir noch jahrelang ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

 

Selbst, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, ist das Leben doch wie eine Zugfahrt.

Viele Menschen steigen ein und aus -

und manche bereichern unseren Weg zum Ziel mit unvergesslichen Momenten.

 

Seid Ihr auch schon einmal abgeschleppt worden oder habt praktische Tipps?

Schreib Sie uns gern in den Kommentaren!

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