Bad Tölz & der Walchensee

Ein traditioneller Muttertagsausflug mitten im Corona-Lockdown?
Mein Frauchen wollte den Tag gerade gemütlich am Frühstückstisch beginnen und diesmal zu Hause bleiben. Warum wegfahren? Und wohin überhaupt? Es hat doch durch den Lockdown alles geschlossen! Kein leckeres Restaurant, in das wir Mittags einkehren können. Kein gemütliches Cafè, in dem wir uns nach einem ausgiebigen Spaziergang bei kleinen Nascherein stärken können. Kein … nichts! Also lass uns doch lieber in Ruhe daheim bleiben.
 
Aber nicht mit mir! Ich schnappte meine Leine und sprang demonstrativ in unseren Van!
Los Frauchen! Es ist doch egal, ob irgendwelche Läden geöffnet haben, solange wir Beide on Tour sind! Natürlich kann sie meinem Doggenblick nicht widerstehen und wir fuhren völlig planlos gen Süden!
Bad Tölz fiel uns spontan ein. Ein perfekter Ausflug für Zwei- und Vierbeiner! Denn diese süße, romantische Kleinstadt im malerischen Isarwinkel hat von Architektur über Natur alles zu bieten! 
 
Die historische Innenstadt verzauberte schon Anfang des 19 Jh. Künstler wie Thomas Mann und Gabriel von Seidl, die Bad Tölz als damaligen Geheimtipp für sich entdeckten und immer wieder gern hier her kamen. Während meine Schnauze ja eher am Boden des Tölzer Marktplatzes nach kleinen Leckereien schnüffelte, bekam mein Frauchen fast eine Genickstarre. Sie war total verzaubert von den wunderschönen, mit barocken, Lüftlmalerei verzierten Prachtfassaden der Häuser. Ständig entdeckten wir in einer weiteren, kleinen Seitengasse ein malerisches Bauwerk aus der guten, alten Zeit. Und kleine, liebevoll geführte Läden mit viel Charme und Tradition.
 
Soviel Sightseeing macht natürlich hungrig - zum Glück boten einige Restaurants ihre Gerichte "To-Go" an und meine Menschen bestellten sich leckere veggie Burger beim Restaurant "Posthotel Kolberbräu". Tja und dank Corona setzten sie sich nach kurzer Überlegung einfach zu mir runter auf das Kopfsteinpflaster des Marktplatzes! Es gab nämlich sonst keine Sitzmöglichkeiten und Burger im Stehen essen ... das kann nur schiefgehen. Auf Augenhöhe mit meinen essenden Menschen fiel dann auch immer wieder etwas in mein kleines Schnäuzchen. So schön! Ich weiß gar nicht, warum ihr Menschen euren Kindern immer beibringt: "Steh auf! Setz' dich doch nicht auf die Straße!" Anfangs war es vielleicht etwas ungewohnt, aber manchmal ist ein Perspektivwechsel nicht verkehrt und wir genossen einfach unser Essen - inmitten der Menschen um uns herum.
Frisch gestärkt war dann ich an der Reihe! Wir gingen runter zur Isar, die in der Sonne herrlich klar glitzerte und bei den sommerlichen Temperaturen eine tolle Abkühlung bot. Wir Hunde können unsere Körpertemperatur ja nicht so gut durch Schwitzen regulieren wie ihr Menschen, darum sind für uns solche Erfrischungen extrem wichtig. Außerdem macht es auch richtig viel Spass, wenn mein Frauchen die kleinen Kieselsteinchen ins Wasser wirft und ich freudig hinterher plantschen kann! Zwischendurch tollte auch ein weiterer Artgenosse mit, denn an den vielen Sandbänken und den zahlreichen Wanderwegen der Isar sind Hunde echt sehr Willkommen.
 
Nach einer weiteren Stunde Isarspaziergang gingen wir zu unserem Van zurück und fuhren weiter. Per Zufall kamen wir auf die Deutsche Alpenstraße und verliebten uns in diese wunderschöne Route! Das wechselnde Panorama zwischen beeindruckender Berg- und romantischer Seenlandschaft war echt einmalig! So ließen wir uns ganz verzaubert von dieser schönen Route führen und landeten am Walchensee.
Manchmal muss man die geplanten Wege halt verlassen,
um wieder Neues zu entdecken...
 
... und so folgte ich meinen Menschen auch nicht zum Ufer des Walchensees. Dieses Ausflugsziel hatten nämlich gefühlt Hunderte andere auch. Nein! Meine Hundeschnauze witterte einen kleinen, frischen Bach in einem lichten Waldvorsprung. Tja und wenn eine Dogge sich etwas in den Kopf gesetzt hat...doch so stellte sich wieder einmal heraus, die Natur ist der beste Fremdenführer. Denn durch diesen wilden Bach entdeckten wir auf einmal den Wegweiser "Schlucht". Aus spontaner Neugier folgten wir nichts ahnend diesem Schild.
 
Die Schlucht liegt gut 130 Meter oberhalb vom Walchensee, im Graben vom Dainingsbach. Der romantische Wanderweg führt am kristallklaren Bach entlang und ist auch für schweratmige Doggen gut machbar. Immer wieder rauscht das kraftvolle Wasser kleine Steinfälle hinunter, die Mensch und Hund zum Toben einladen. Auf dem Weg kann man auf Holzbänken immer wieder die atemberaubende Aussicht über die Zwei-Seen-Landschaft genießen, bevor man dann vor der Schlucht steht und die Kraft der Natur bewundern kann. 
 
Da die Schlucht nicht komplett durchquert werden kann, liefen wir diesmal auf dem unteren Wanderweg wieder zurück zum Parkplatz und genossen ein letztes Feierabend-Bier am Kiosk, bevor wir uns langsam auf den Heimweg machten. 
 
Verzaubert und Entschleunigt entschlossen wir uns, nicht über die Autobahn heimzurasen, sondern weiter der Alpenstraße zu folgen. Wir hatten unsere Lieben im Gepäck - was wartet also zu Hause auf uns?
 
So habe ich kleiner, dicker Hund meinem Frauchen zum Muttertag ganz zufällig beigebracht:
 
"Umwege erhöhen nicht nur die Ortskenntnis -
sie sorgen auch für die kleinen Freuden im Leben" 
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